Die Worte Jesu über die Versöhnung haben vor allem bei Politikern Widerstand hervorgerufen. Helmut Schmidt hat als Bundeskanzler das bekannte Wort geprägt, mit der Bergpredigt könne man keine Politik machen. Ich möchte drei provozierende Worte aus der Bergpredigt betrachten, in denen Jesus zur Versöhnung aufruft.  
 
"Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe." (Matthäus 5,23f)       Wenn ich Gottesdienst feiere, muß ich mir zuerst klar werden über meine Beziehung zu den Mitmenschen. Wenn da einer etwas gegen mich hat, muß ich zuerst bereit sein zur Versöhnung. Vielleicht habe ich den anderen unbewußt verletzt. Vielleicht beruht sein Affront gegen mich auch nur auf einem Mißverständnis. Ich muß erst meine Beziehung zu meinem Mitmenschen klären, bevor ich vor Gott treten kann. Doch was soll ich machen, wenn der andere gar keine Versöhnung will, wenn er seine eigenen Probleme auf mich projiziert? Ich kann nur tun, was mir möglich ist. Wenn der andere sich nicht versöhnen will, ist das seine Sache.
      Jesus fordert mich heraus, genau hinzuschauen, wo mein Anteil an dem Konflikt ist. Im Gespräch mit dem Bruder oder der Schwester kann ich klären, wo der Grund der Verstimmung liegt. Jesus bindet den Gottesdienst an die Versöhnung mit dem Mitmenschen. Ich darf meine Beziehung zu Gott nicht ohne meine Beziehung zu den Menschen sehen. Das ist eine provozierende Herausforderung. Meine Spiritualität verweist mich auf die Versöhnung mit den Menschen.